Wird Künstliche Intelligenz der Picasso der Zukunft?

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Kann künstliche Intelligenz kreativ sein?

Das Titelbild zeigt die Gesichter von vier Personen. Eine Person existiert nicht, denn sie wurde von einer künstlichen Intelligenz (KI) erstellt. Können Sie erraten, welche es ist? Nummer 1, 2, 3 oder 4? Am Ende von diesem Beitrag lösen wir das kleine Rätsel auf!

Heute schweifen wir etwas von unseren üblichen Themenschwerpunkten rund um moderne Datenanalysen mit Predictive Analytics und dem B2B Vertrieb ab. Es geht um künstliche Intelligenz und Kreativität. Kann KI kreativ sein?

KI-Anwendungen haben viele Vorteile, die klar ersichtlich sind und die daher keiner bestreitet: Sie können Millionen von Daten, die kein Mensch allein überblicken kann, analysieren und auswerten. Und dabei sind sie auch noch superschnell.

Wir sind uns vermutlich alle einig, dass künstliche Intelligenz hilfreiche analytische Fähigkeiten besitzt. Doch was fällt Ihnen spontan bei der Frage ein: „Was können wir Menschen, was künstliche Intelligenz NICHT kann?“

Neben Empathie, Emotionen oder Intuition denken vermutlich einige auch an Kreativität. Das ist allerdings falsch. KI kann kreativ sein. Wie das möglich ist, möchten wir im Folgenden diskutieren.

Kreativität ist nicht gleich Kreativität

Um herauszufinden, ob KI kreativ sein kann, sollten wir zuerst festlegen wo Kreativität überhaupt anfängt und was „kreativ sein“ bedeutet.

Dazu beschreibt Marcus du Sautoy, Professor an der Oxford University, in seinem Buch „The Creativity Code“ drei Arten von Kreativität:

Erstens, die explorative Kreativität. Sie bewegt sich innerhalb bestehender Regeln und findet in diesem Rahmen Lösungen für bestimmte Probleme. Ein Beispiel hierfür ist ein Schachspiel. Die Schachspieler unter Ihnen, werden vermutlich zustimmen, dass meisterhafte Spieler durchaus kreativ sind. In schwierigen Spielsituationen kreieren sie raffinierte Spielzüge oder überraschende Wendungen.

Zweitens, die kombinatorische Kreativität. Sie verbindet zwei unterschiedliche Ideen oder Bereiche miteinander und schafft somit etwas Neues, jedoch bestehend auf etwas Altem. Der kreative Anspruch ist hierbei einen Zusammenhang oder Nutzen von zwei Bereichen zu entdecken. Ein bekanntes Beispiel für diese Art von Kreativität ist das Smartphone. Hier sind die Konzepte des Telefonierens und des Fotografierens erfolgreich miteinander kombiniert worden.

Die dritte Form der Kreativität, ist die anspruchsvollste: Die transformative Kreativität. Durch diese Art von Kreativität entstehen komplett neue Dinge, also noch nie Dagewesenes. Einsteins Relativitätstheorie wäre ein berühmtes Beispiel hierfür.

Eins ist klar, wir Menschen „können“ alle drei Formen von Kreativität. Doch wie sieht es mit KI-Systemen aus?

KI kann exploratorisch und kombinatorisch kreativ sein, aber transformative Kreativität ist noch Science-Fiction

Wie schon in einigen Blogbeiträgen erklärt, basieren viele KI-Systeme auf dem maschinellen Lernen. Algorithmen untersuchen vorhandene Daten, erkennen Muster und präsentieren schließlich Lösungen für bestimmte Probleme. Je mehr Daten hinzukommen, desto besser wird der Algorithmus und dadurch auch seine Lösungen.

Dieses Vorgehen ist demnach wie geschaffen für die explorative Kreativität. Schon lange existieren KI-basierte Schachspiel-Programme, die die besten Spieler ins Schwitzen bringen.

Nach diesem Prinzip des maschinellen Lernens können KI-Programme inzwischen auch komplexere Aufgaben lösen: Sie sind dazu in der Lage Songs zu komponieren, Geschichten und Drehbücher zu schreiben. Auch Bilder oder Fotos können allein durch Algorithmen erstellt werden.

Das bedeutet, KI-Systeme agieren nicht nur innerhalb bestimmter Regeln und entscheiden sich für die beste Strategie, sondern sie können Neues erschaffen. Das geht natürlich nur, wenn die Systeme genügend Daten haben, aus denen sie lernen können. So basiert eine KI-geschaffene Geschichte auf Hunderten von bereits bestehenden Geschichten, die als Grundlage für den Algorithmus dienen.

Dadurch kann KI die kombinatorische Kreativität bereits gut simulieren. Sie kombiniert Altes, um Neues zu produzieren.

Das 2016 erstellte „The next Rembrandt“ Gemälde ist ein sehr bekanntes Beispiel dafür. Eine KI hat aus 346 Rembrandt Gemälden ein neues Gemälde „errechnet“ und umgesetzt. Ein typisches Rembrandt Gemälde ist demnach ein Porträt von einem Herrn zwischen 30 und 40 Jahren mit Bart, Hut und Kragen, der nach rechts blickt.

Artificial Intelligence - The Next Rembrandt.
„The next Rembrandt“ – gemalt von einer KI.
Quelle: thenextrembrandt.com

Transformative Kreativität, das Erschaffen von etwas „noch nie Dagewesenem“, schafft bisher noch keine Maschine. Denn die Programme tun dies was man ihnen vorgibt und auf Basis dessen, was ihnen die Programmierer als Grundlage liefern. Experten sind sich einig, dass die transformative Kreativität bisher nur Menschen leisten können und noch keine Maschinen.

So auch KI-Spezialist Klaus Diepold über die transformative Kreativität einer KI: „Wir wissen ja nicht mal, wie es beim Menschen funktioniert – geschweige denn, dass wir etwas Ähnliches Nachbauen könnten.“

Einsatzgebiete und Gefahren von kreativen KI-Anwendungen

Die Frage lautet also nicht mehr länger OB künstliche Intelligenz kreativ sein kann, sondern WIE sie zum Einsatz kommt. In einem Interview mit der W&V erklärt Klaus Schwab, Geschäftsführer der Agenturgruppe Plan.net, dass es seiner Meinung nach fünf Möglichkeiten gibt, wie kreativ-Arbeiter KI einsetzen können:

Einmal, als sog. „Digitale Muse“. Sie soll Inspirationen für kreative Arbeiten liefert, indem sie Vorschläge bietet.

Zweitens, als neues Werkzeug, das von kreativ schaffenden Menschen benutzt werden kann. Darunter würde beispielsweise das KI-basierte generieren von realistischen Fotos fallen – statt einem Fotoapparat erschafft nun eine künstliche Intelligenz Fotos/Portraits für bspw. Werbekampagnen. Falls Sie Schwierigkeiten haben unser Titelbild-Rätsel zu lösen, dann haben Sie schon einen ersten Eindruck, wie realistisch KI-Programme Fotos erstellen können.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist KI als Assistenten, die schon eigenständig verschiedene Vorbereitungsschritte übernehmen (wie Text- oder Bildlayouts erstellen).

„KI als Wächter“ ist die vierte Möglichkeit zum Einsatz. Die Anwendungen sollen hier am Ende eines Kreativprozesses überprüfen, ob vorgegebene Richtlinien, wie z.B. das CI, eingehalten wurden.

Die letzte Möglichkeit ist „KI als Schöpfer“ einzusetzen. Das würde bedeuten, dass ein KI-Programm den ganzen gestalterischen Prozess übernimmt.

Damit ist Vorsicht geboten. Es gibt viele Beispiele, in denen KI erfolgreich kombinatorische Kreativität simuliert hat. Neben dem Rembrandt Gemälde komponierte beispielsweise eine KI das Lied „Daddy´s Car“ im Style von den Beatles. Doch es gibt genauso viele negative Fallbeispiele, in denen die KI gescheitert ist:

Der ChatBot Assistent von Microsoft „Tay“ sollte auf Twitter mit Jugendlichen in „cooler Sprache“ kommunizieren. Allerdings hat KI kein Bewusstsein für ethische Regeln, sondern sie lernt von dem was Menschen vorgeben. So ist es passiert, dass Tay innerhalb von 24 Std rassistische und sexistische Aussagen von sich gegeben hat. Aus „Menschen sind toll“, wurde sehr schnell „ich hasse Feministen“.

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Wird Künstliche Intelligenz der Picasso der Zukunft? – Fazit

Damit steht fest: Die bereits existierenden KI-Anwendungen zeigen, dass KI explorativ und teilweise auch kombinatorisch kreativ sein kann. Allerdings wird die transformative Kreativität, also etwas ganz Neues zu erschaffen, bisher exklusiv den Menschen zugeschrieben.

KI-Anwendungen bieten „kreativ schaffenden“ Menschen, wie in Werbeagenturen oder in Medienhäusern eindeutig Chancen ihre Prozesse günstiger, schneller und effizienter zu machen. Doch verschiedene Beispiele zu „Fehlschlägen“ von kreativen KI-Systemen zeigen, dass es noch Optimierungsbedarf gibt.

Ob sich „KI als Schöpfer“ in der Praxis in Zukunft tatsächlich durchsetzt und dadurch Menschen ersetzt, hängt allein von den Unternehmen ab, inwieweit sie die Techniken einsetzen werden.

Nun aber zur Auflösung unseres Bilderrätsels: Der Herr von Bild Nummer 1 existiert nicht. Er wurde – kombinatorisch kreativ – von einem KI-Programm erschaffen. Falls Sie weitere Beispiele von KI-erschaffenen Gesichtern sehen wollen, schauen Sie unter www.thispersondoesnotexist.com

 

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    Literaturnachweis:

    Can AI Crack The Code For Creativity? Hg: Forbes

    Ein echter Rembrandt – aus dem Rechner. Hg: Süddeutsche Zeitung

    Dass Kreativität disruptiert wird, ist keine Frage mehr. Hg: W&V

    Kann KI kreativ sein? Hg: Journal Frankfurt

    Du Sautoy, M. (2019): The Creativity Code. Hg: Harvard University Press