Vom Schraubenlager zur KI-Ära – Was die Geschichte von REIFF über die Zukunft des B2B-Großhandels verrät und warum 2026 ein Wendepunkt ist

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Ein Jahrhundert Großhandel: Wie eine Branche Deutschland prägte

Wie einige unserer Leser vielleicht bemerkt haben, schreibe ich sehr gerne. Eigentlich lese ich sogar noch lieber. Manchmal finde ich jedoch nicht das, was ich lesen möchte, und schreibe es deshalb selbst. Seit mehr als zehn Jahren schreibe ich fast jede Woche über die Veränderungen in unserer Branche.

Ich verfolge mit Respekt die Unternehmen, die diese Geschichte schreiben. Heute möchte ich über eines von ihnen schreiben, dessen Geschichte vor mehr als 100 Jahren begann. Und trotz Schwierigkeiten ist sie noch immer nicht zu Ende.

Seit über zehn Jahren analysiere ich ERP-Datenströme aus technischen Großhandelsunternehmen. Als ich mich erstmals intensiver mit REIFF für diesen Blogbeitrag beschäftigte, hatte ich sofort das Gefühl, dass diese Geschichte uns etwas Grundsätzliches über unsere Branche sagen kann. Ich möchte klarstellen, dass alle Informationen, die ich für diese drei Artikel verwendet habe, öffentlich zugänglich sind oder auf LinkedIn veröffentlicht wurden. Das gilt auch für die Daten zu Umsatz und Rentabilität.

Wie bei vielen Unternehmen in unserer Branche begann auch diese Geschichte in einem kleinen Laden mit einem schmalen Schaufenster und einem jungen Mann mit einer großen Idee. So lautet nicht nur ein Imagefilm, sondern auch die Geschichte eines ganzen Branchenmodells. Als Albert Reiff im Jahr 1910 im Alter von 24 Jahren sein Geschäft für technische Gummiwaren gründete, ahnte er nicht, dass daraus einmal eine Unternehmensgruppe mit 1.500 Mitarbeitenden, 80 Standorten und einem Umsatz von 340 Millionen Euro entstehen würde. Auch, dass seine Entscheidungen mehr als hundert Jahre später wie ein Spiegel für die gesamte deutsche Großhandelslandschaft wirken würden, war ihm nicht bewusst.

Die Szene, die sein Sohn Günter später im Film beschreibt, ist fast filmreif: Drei Tage lang passiert nichts. Kein Kunde betritt den Laden. Und dann kommt doch der erste Besucher. Günter erzählt: „Wäre dieser Kunde nicht gekommen, wäre mein Vater am nächsten Tag nach Amerika ausgewandert. Das ist keine Zahl, keine Kennziffer – das ist Unternehmertum pur. Mut, Risiko und der Wille, es trotzdem zu versuchen. Diese DNA prägt den B2B-Großhandel in Deutschland bis heute. Lassen Sie uns mehr darüber erfahren.

Wer Trends früher erkennt, gewinnt: Von der Motorisierung 1910 zur KI-Revolution im Großhandel

Nur wenige Jahre nach der Gründung brach der Erste Weltkrieg aus. Albert wurde eingezogen. Wie bei meinem Ururgroßvater Silvestre Pedretti. Gleicher Krieg, andere Armee. Alberts Frau Paula führte den Laden weiter. Nach dem Krieg folgten Inflation, wirtschaftliche Krisen und die schwierigen 1920er Jahre. Und trotzdem wuchs das Unternehmen.

Der junge Unternehmer erkannte früh den Bedarf an technischen Gummiwaren in den Bereichen Textil, Leder und Landwirtschaft sowie die wachsende Bedeutung des Automobils. Er erkennt Trends, bevor sie in Statistiken sichtbar werden. Er wusste: „Wer technische Produkte liefern kann, wenn andere noch suchen, hat eine Existenzgrundlage.”

Diese frühe Phase ähnelt verblüffend dem, was wir heute im digitalen Kontext erleben. Damals war es die Motorisierung, die alles veränderte. Heute sind es die Digitalisierung, der E-Commerce und die künstliche Intelligenz. Wer früh erkennt, wie sich der Markt verschiebt, verschafft sich einen Vorsprung. Wer wartet, hofft auf den berühmten ersten Kunden – und riskiert, dass dieser diesmal nicht rechtzeitig kommt.

Im Jahr 1931 wurde die Firma REIFF + Cie. gegründet, die technische Industriebedarf, Kfz-Zubehör und einen Vulkanisierbetrieb anbietet. 1942 starb Albert Reiff im Alter von 56 Jahren. Paula Reiff und Ernst Geisel traten in die Geschäftsführung ein.

In der Nachkriegszeit übernimmt Günter Reiff die Führung. Er ist im Imagevideo auf der Website zu sehen und zu hören. Er spricht mit klarer und ruhiger Stimme – wie jemand, der noch viele Veränderungen erleben und gestalten wird. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Geschäfte durch Luftangriffe zerstört. Reiff kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück und steht, wie er selbst sagt, „vor nichts als Schutt“. Und trotzdem baut er wieder auf. Dieses „Wir fangen noch einmal von vorne an“ ist etwas, das viele Mittelständler in Deutschland aus ihrer eigenen Familiengeschichte kennen. Es ist dieser mutige Geist, der später die Zeit des Wirtschaftswunders prägen wird. Mein Ururgroßvater ist übrigens nach Argentinien ausgewandert.

Die goldenen Jahrzehnte des Großhandels: Wachstum, Mut und der Aufstieg eines Familienunternehmens

Doch jede Epoche bringt nicht nur Wachstum, sondern auch neue Belastungen mit sich. Genau dort beginnt der Teil der Geschichte, der heute relevanter ist als je zuvor. In den 1950er- und 1960er-Jahren geht es steil bergauf. Baden-Württemberg wurde zum Musterländle, der Maschinenbau und die Kfz-Industrie wuchsen und der Mittelstand boomte.

„Gummi Reiff“ wurde zum Begriff. Wenn in der Region eine technische Herausforderung zu meistern war, fand man Hilfe in Reutlingen. Dasselbe spielte sich überall in Deutschland ab, beispielsweise in Essen, Wuppertal, Nürnberg oder Leipzig. Technische Großhändler wurden zum Rückgrat der Industrialisierung. Sie beliefern Fabriken, Werkstätten und Handwerksbetriebe. Sie kennen ihre Kunden beim Namen. Und sie sind lokal verwurzelt.

Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre trat mit Eberhard und Hubert Reiff die dritte Generation in das Familienunternehmen ein. Fun Fact: Ich bin erst 1977 geboren. Das Unternehmen wurde neu strukturiert und die verschiedenen Einheiten zur REIFF GmbH zusammengefasst. Die Gruppe expandierte schneller, übernahm Händler und eröffnete neue Standorte.

Mitte der achtziger Jahre wurde ein neues Logistikzentrum gebaut und der Hauptkatalog für technische Produkte modernisiert. Die Idee dahinter: Versorgungssicherheit, Sortimentsbreite und technisches Know-how aus einer Hand. Was damals als „absolute Novität im deutschen technischen Handel“ galt, war im Kern genau das, was der Großhandel schon immer war: ein skalierter Service für komplexe Bedarfe.

In den Neunzigerjahren erfolgt die Internationalisierung. Es folgen Übernahmen in Luxemburg und Belgien, die Gründung einer Tochtergesellschaft in Polen sowie die Zusammenarbeit mit Beschaffungspartnern in China. Gleichzeitig wird der Geschäftsbereich Technischer Handel klar von den Bereichen Reifen und Elastomertechnik getrennt. REIFF fokussiert sich auf seine Kernfelder und baut gleichzeitig neue Strukturen auf. In den Nullerjahren folgen neue Verwaltungsgebäude, Logistikzentren und Fertigungsstandorte. Im Jahr 2010 erhält das Unternehmen einen eigenen E-Shop und treibt den Bereich E-Commerce voran, der damals noch als Wettbewerbsvorteil galt, heute jedoch zum Standard gehört.

Vom Erfolgsmodell zur Zeitenwende: Wie Digitalisierung und KI den Großhandel neu definieren

Am Ende des im Jahr 2017 veröffentlichten Imagefilms wird stolz Bilanz gezogen: 80 Standorte, acht Tochterunternehmen, 1.500 Mitarbeitende, 340 Millionen Euro Umsatz und 140.000 Artikel – von Einzelteilen bis zu kompletten Baugruppen. Der Satz, der hängen bleibt, lautet: „Was sich in 100 Jahren nicht verändert hat, ist, dass die Mitarbeitenden im Mittelpunkt unseres Denkens stehen. Das zeichnet ein Familienunternehmen aus, und darauf wollen wir auch in Zukunft aufbauen.“

Darin steckt alles, was den deutschen Großhandel stark gemacht hat. Regionalität. Menschlichkeit. Fachkompetenz. Loyalität. Langfristigkeit. Und gleichzeitig zeigt diese Geschichte rückblickend auch, wo die Grenzen dieser traditionellen Stärken liegen. Denn die Welt da draußen hat sich nicht nur verändert, sie hat sich auch beschleunigt. Die Motorisierung kam langsam. KI im Vertrieb, Großhandel, E-Commerce, Plattformökonomie, Predictive Sales B2B und ChatGPT im Vertrieb kommen in Jahren, nicht in Jahrzehnten.

Genau hier beginnt die Brücke zur Gegenwart. Wenn wir heute über „Digitalisierung im Großhandel” sprechen, dann tun wir das nicht theoretisch. Qymatix hat mit seinen erfolgreichen Umsetzungen gezeigt, dass Unternehmen mit einer klaren Datenstrategie und digitalisierten Prozessen signifikant produktiver sind und ihre Umsatzrentabilität verbessern können. Gleichzeitig belegt unsere Auswertung von B2B-Großhändlern und -Herstellern in Europa, wie stark der Druck durch Direktvertrieb und Plattformen steigt. Die alten Spielregeln gelten nicht mehr.

 
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Fazit: Warum die nächste Erfolgsgeschichte des Großhandels datengetrieben sein muss

Die Geschichte von REIFF zeigt: Familienunternehmen können Kriege, Brände, Krisen und Umbrüche überstehen, wenn sie investieren, mutig sind und Trends frühzeitig erkennen. Sie macht aber auch deutlich, wie hoch die Anforderungen inzwischen sind. In einer Welt mit 140.000 Artikeln, internationalen Lieferketten, engen Margen und digitalisierten Kunden reicht Intuition nicht mehr aus. Es braucht Daten. Es braucht Algorithmen. Es braucht KI im Vertrieb. Und es braucht den Mut, heute Entscheidungen zu treffen, die die nächsten 20 Jahre sichern.

Als ich mit dem Schreiben dieses Artikels begann, hätte ich nicht gedacht, dass mich die Geschichte dieses Unternehmens so sehr interessieren würde, dass ich Teile 2 und 3 verfasse.

So ist es nun einmal, deshalb müssen Sie eine Woche auf den nächsten Teil warten. In der nächsten Folge werfen wir einen Blick auf die jüngste Krise im technischen Großhandel, auf das Schicksal von Traditionshäusern wie REIFF und darauf, warum ihr Schicksal viel über die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche aussagt. Doch jede Geschichte hat einen Moment, in dem die Vergangenheit nicht mehr erklärt, was als Nächstes kommt. Für REIFF beginnt dieser Moment im Jahr 2017 – und er führt direkt ins Zentrum eines Marktumbruchs.

Wer sich vorbereiten möchte, dem empfehle ich unsere Wollschläger-Serie als „Pflichtlektüre“

Sie zeigt eindrucksvoll, wie ein Großhandelsunternehmen trotz seiner starken Historie an unsichtbaren strukturellen Problemen scheitern kann – und wie Predictive Sales B2B und datengetriebene Kundenanalyse damals Abhilfe geschaffen hätten. Vielleicht liegt darin die wichtigste Lehre aus dieser Epoche: Jede Generation des Großhandels erreicht früher oder später ihren eigenen Wendepunkt.

 

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Literaturnachweis:

REIFF Technische Produkte GmbH. (2025). Unternehmensgeschichte. Abgerufen im Dezember 2025 von

REIFF Technische Produkte GmbH. (2025). Pressemitteilung zum Verkauf an ERIKS vom 6. November 2025. Abgerufen im Dezember 2025 von

Reiff-Gruppe. (2019). YouTube Kanal.

Amtsgericht Stuttgart. (2025). HRA 735135 – REIFF Technische Produkte GmbH – Jahresabschlussunterlagen 2020–2024

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